Das Leben in vollen Zügen

Montag, 29. März 2010

Das Leben in vollen Zügen …

Potsdamer Platz

... genießen zu können, ist gar nicht so einfach. Trotzdem versuche ich es immer wieder, obwohl mir dies besonders schwer fällt, wenn ich mit vielen Menschen einen geschlossenen Raum teilen muss. Erst recht, wenn sie auch noch versuchen, Kontakt zu mir aufzunehmen. Die riesige Menge an nutzlosem Wissen, mit der ich konfrontiert werde, ohne es zu wollen, verstopft auf sehr unangenehme Weise meine Gehirnwindungen.

Wildfremde Menschen erzählen mir ungefragt Ereignisse aus ihrem Leben, die mir so egal sind, wie der oft zitierte umgefallene Sack Reis in China. Und das direkt nachdem sie sich unangenehm nah zu mir gesetzt und wen auch immer trotz Handy lautstark darüber informiert haben, dass sie jetzt im Zug sitzen, was der so Informierte unter Garantie ohnehin schon geahnt hatte.

"Wir kommen gerade von der Aida und stellen Sie sich nur vor: dort hat man uns einen Koffer geklaut!"

Das ist der Zeitpunkt, dem Gespräch durch die ehrliche Wiedergabe meiner Meinung abrupt ein Ende zu setzen, bevor das dringende Mitteilungsbedürfnis der Tischnachbarn sich über mir in ihrer ganzen klebrigen Fülle ausschüttet.

"War wohl DIE Gelegenheit für Drecksklamotten-Fetischisten. Hier gibt’s ja nicht diese praktischen Automaten mit getragenen Unterhosen wie in Japan."

Noch viel, viel schlimmer muss diese unfreiwillige Kontaktaufnahme durch fremde Personen für Menschen sein, die irgendwie öffentlich bekannt sind, noch den ein oder anderen Ruf zu verlieren haben und deshalb die Zähne mit hochgezogenen Mundwinkeln zeigen müssen, wenn auch mit vermeintlich schützend dunkler Sonnenbrille.

"Ich kenne Sie doch! Stimmt’s? ICH KENNE SIE!"
"… ja …"

Diesem Gesprächsanfang darf ich relativ oft beiwohnen, denn die Promidichte im Speisewagen der Bahn von Hamburg nach Berlin oder umgekehrt ist unverhältnismäßig hoch. Die armen Erkannten müssen dann von Kreuzfahrtschiffsreisenden höchst subjektive Theater- bzw. Filmkritiken über sich ergehen lassen, die schlimmstenfalls mit: „Mensch, ist das geil, das glaubt uns doch zu Hause keiner. Darf ich von Ihnen ein Foto machen?“ enden.

In solchen Momenten verstehe ich plötzlich, warum die jetzt ausgestorbenen Indianer glaubten, dass man ihnen die Seele raubt, wenn sie fotografiert werden. Das ist bestimmt mit Schmerzen verbunden … ganz bestimmt.
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