Natura

Montag, 27. Juli 2009

Schluss jetzt …

Ich höre jetzt auf, mir um anderer Leut‘ ungeborener Kinder Sorgen zu machen. Was als Übersprungshandlung begann – schließlich habe ich in meiner eigenen Familie genügend grausige Gründe, mir die Haare zu raufen – endet jetzt mit echter Anteilnahme. So weit wollte ich das gar nicht kommen lassen. Was geht mich schließlich der Nachwuchs von Turteltauben an?

Da bange ich zwei volle Wochen bei jedem Regentropfen um die lieben Kleinen und mein Herz hüft, wenn ich beoachten kann, wie liebevoll sich die Eltern gemeinsam um die Brut kümmern und dann macht ein einziges Gewitter alle Fürsorge zunichte.

Gut, ich gebe zu, dass mir soviel grausige Natur ziemlich nahe geht, aber nur, weil ich das Drama die ganze Zeit vor Augen habe. Das verlassene Nest mit den schutzlosen und jetzt zu kalten Eiern ist wirklich ein trostloser Anblick. Hoffnungslosigkeit, live und in Farbe. Wer braucht sowas schon …

Selbst der Vater der Zwillinge hat gestern noch einmal versucht, sie zu reanimieren und brütete noch einmal eine Runde, hielt sich schließlich aber, wie vorher schon die Mutter, an die Weisheit der Dakota-Indianer:

"Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!"

Samstag, 25. Juli 2009

Hiob-Update (7) ...

Die letzte Sintflut hat dem Nachwuchs wohl den Rest gegeben. Die Mutter hat wirklich alles probiert, um die Kleinen zu schützen, aber die Fluten waren so stark, dass sie aufstehen musste, damit das Wasser abfließen konnte.

wasser

So lagen die Eier jetzt ungeschützt im kalten Wasser. Und das mindestens 10 Minuten. Das kann doch kein aufkeimendes Leben ertragen. Sie hat sich dann noch einmal probeweise auf die schon arg schmutzige Brut gesetzt, ist dann aber wieder aufgestanden, sie war wahrscheinlich schon zu kalt, hat sich geschüttelt und ist dann nach einem sehr langen Blick auf die einst weißen, warmen Schutzbefohlenen weggeflogen.

eier

Nach einer halben Stunde kam sie noch einmal wieder, aber sie hat die runden Dinger nur ein wenig angestupst und hat sich dann wieder davon gemacht. Ich kann das nicht mehr mit ansehen und fahre mal zu dem Mann in der anderen Stadt.

Wenn ich dann zurückkomme, wird das Drama hoffentlich vorbei sein. Wenigstens haben die Elstern oder sonst wer dann einzwei Mahlzeiten gehabt...

Freitag, 24. Juli 2009

Update (6) ...

Trotz allem: es sind noch beide Eier intakt!

Ein kleines Wunder, irgendwie ...

Regenrinnen-Nachwuchs-Update (5) …

Also ich will ja nicht den Teufel an die Wand malen und meine Befürchtung ist wahrscheinlich auch nur Folge meine immer noch ungeheuer großen Unkenntnis ob der Taubenaufzucht, aber ich habe da etwas entdeckt, was mich zweifeln lässt, ob in der Regenrinne alles in Ordnung ist.

Auf der Suche nach Hinweisen auf die Beschaffenheit von Taubeneier bin ich auf diese anrührende Geschichte gestoßen und weiß jetzt wenigstens, dass auch andere Taubenpaare in Dachrinnen brüten.

Aber ich bin mir immer noch unsicher, ob dieses weiße Was-auch-immer am Rande des Nestes nicht das Überbleibsel des angeknacksten Ei sein könnte, dass jetzt dann doch von so viel Taubengewicht Liebe erdrückt wurde und geborsten ist.

Wie sieht ein erdrücktes Taubenei aus? Zerfällt es in kleine Fragmente oder sackt die weiche (?) Schale ohne den ehemaligen Inhalt eher in sich zusammen? Also Scherben sind das nicht, was ich am Nestrand erblickt habe. Ich erspare euch diesmal ein Foto von dem (vermeintlichen) Elend.

Seit zwei Tagen ist es mir nicht gelungen, einen Blick in das Vogelnest zu werfen, da es ununterbrochen von dem einen oder anderen Elternteil behudert wird. Was ich einerseits für ein gutes Zeichen halte, aber anderseits keinen noch so kleinen Rückschluss auf die Anzahl der Kinderschar zulässt. Womöglich wird es doch ein Einzelkind werden. Time will tell …

Mittwoch, 22. Juli 2009

Helden-Update (4) …

Eigentlich kann ich Tauben nicht sonderlich leiden, aber je länger ich ihren Überlebenskampf in meiner Dachrinne beobachte, desto mehr bewundere ich ihr Durchhaltevermögen und welch enormem Leidensdruck sie standhalten können. Dagegen bin ich ja geradezu wehleidig.

Aber heute Morgen wäre es fast aus gewesen mit dem Nachwuchs. Diesmal war es keine Elster und auch kein Falke, der es auf die Eier abgesehen hatte, sondern eine riesige Krähe. Da ergriff selbst die tapfere Taubenmutter die Flucht. Gut, dass der schwarze Vogel dabei so laut rumkrakelte, dass ich den Angriff mit ansehen, das Fenster aufreissen und so die Krähe verscheuchen konnte, bevor sie ihren Trieb zum Vandalismus ausleben konnte.

Auch wenn in den früheren Jahren die Ableger immer anderen Vögeln zum Opfer fielen, glaube ich, dass dieses Jahr die verheerenden Unwetter und diese unglaublichen Wassermassen die größten Feinde der Nachkommenschaft sind.

regen
Das scheinen auch die Eltern zu befürchten und so haben sie angefangen, die ehemals karge Eier-Wegroll-Sperre ein wenig zu „pampern“. Während ein Elternteil die Kullerdinger wärmt, holt der andere unermüdlich neues Baumaterial herbei, das der brütende Part dann unter seinem Bauch geschickt mit den schon vorhanden Stöckchen verhakt.

boot
So haben die beiden tatsächlich in dieser Regenrinne eine Art Boot gebaut, damit die Jugend von Morgen nicht ständig im Wasser liegt und das kühle Nass unter ihnen abfließen kann. Ich bin schwer beeindruckt! Sonst hätte ich mich nicht gewundert, wenn aus diesen Eiern, Enten- statt Taubenküken schlüpfen würden.

… noch 7 bis 8 Tage (und Nächte), dann müsste das erste Kind schlüpfen.
Himmel hilf!

Freitag, 17. Juli 2009

Taubenei-Update (2) …

Man lernt ja viel, wenn das „wirkliche Leben“ eine Gratis-Vorstellung vor dem Küchenfenster gibt. Die freie Sicht auf die Natur hat doch etliche Fragen aufgeworfen, die ich jetzt Dank des virtuellen Weltwissens beantworten kann.

So wurde z. B. mein Bild von einem richtigen Vogelnest revidiert und von nun an sehe ich auch in locker zusammengesteckten Stöckchen eine Brutstätte, auch wenn diese eigentlich nur eine Ei-Wegroll-Sperre ist.

nest
Selbst mein Mitleid mit der Taubendame, die ohne Wasser und Brot den ganzen Tag den Nachwuchs mit vollem Körpereinsatz wärmt, während der Taubenmann lustig durch die Gegend fliegt, ist dem besser erträglichem Respektgefühl gewichen, seitdem ich weiß, dass die beiden sich beim Brüten abwechseln und der männliche Part vorwiegend in der Zeit das Haus hütet, in der ich aushäusig bin, um die kostspielige Ernährung meiner Kater zu sichern.

papa
Da ich gestern Morgen keinen Blick auf das angeknackste Ei werfen konnte, weil es die ganze Zeit gehudert wurde, befürchtete ich, dass es womöglich von so viel Liebe erdrückt würde. Doch gestern Abend gelang es mir beim Schichtwechsel einen Blick in das „Nest“ zu werfen und siehe da: Das defekte Ei hat überlebt und es ist sogar noch eins hinzu gekommen! Ich bin sehr stolz auf mein Küchenfenster-Regenrinne-Taubenpaar!

eier
Leider soll es ja heute stark regnen, da hilft wohl nur Daumendrücken, dass die Wegroll-Sperre ihren Zweck erfüllt…

... ohje, es donnert schon.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Taubenei-Update ...

P1120919

Das Ei ist noch da, hat aber schon einen kleinen Knacks. Ohoh ...
Andererseits hält die Schüssel mit dem Sprung auch immer am längsten, oder?!

P1120917

Dienstag, 14. Juli 2009

Vom Sinn der Zielstrebigkeit …

Es gibt Lebewesen, die ich aus tiefstem Herzen bewundere, weil sie ihr einmal gestecktes Ziel unbeirrbar trotz widrigster Umstände verfolgen. Koste es, was es wolle.

Wenn mein Vorhaben auf Anhieb nicht klappt, wende ich mich beleidigt anderen Dingen zu oder werfe wahlweise den Grund meines Unbehagens gegen die Wand, was ein weiteres Miteinander meist unmöglich macht.

Das sind die guten Tage, an schlechten Tagen gehöre ich zu den abwägenden Zauderern, die den Weg der geringsten Widerstände bevorzugen, was mich noch mehr ärgert und mich meinem Ziel keinen Schritt näher bringt.

Dann beneide ich diejenigen, die konsequent bei der Sache bleiben, selbst wenn sie immer wieder von vorne anfangen müssen. Böse Zungen behaupten, dass hätte nichts mit eifriger Zielstrebigkeit zu tun, sondern wäre einfach nur pure Sturheit, aber der Volksmund sagt, dass Hartnäckigkeit zum Ziele führt.

Gestern durfte ich wieder solch hartnäckige Sturheit bewundern. In der Regenrinne unter meinem Küchenfenster versuchte zum gefühlten hundertsten Mal, ein Taubenpaar turtelnd ein Nest zu bauen. Sie schienen sich weder von den gierigen Blicken nicht nur meiner zwei Kater am Fenster einschüchtern, noch von der Tatsache, dass eine Regenrinne ein denkbar ungünstiger Brutplatz in einer durchaus regenreichen Gegend ist, beeindrucken zu lassen.

Selbst der wiederholte Verlust des Nestes durch Regen und Sturm in den vergangenen Jahren, hielt die beiden nicht davon ab, an genau der gleichen Stelle kleine Stöckchen ineinander zu stecken und für den gemeinsamen Nachwuchs auszupolstern.

Meist ist die Brutstätte schon wieder zerstört, bevor das erste Ei gelegt ist, aber diesmal verfolgen die beiden wohl eine neue Strategie und so lag heute Morgen schon der erste Nachwuchs zwischen den losen Stöckchen des Nestrohbaus. nachwuchs Ich ziehe den Hut vor so viel Mut Risikobereitschaft.

Letztes Jahr gelang es den beiden sich über 3 Eier zu freuen, aber innerhalb von wenigen Tagen, freute sich eine Elster noch viel mehr darüber. Und das war auch nicht das erste Mal.

Ich bin wirklich gespannt, ob das Ei heute Abend noch in der Regenrinne liegt . Hoffentlich hat es bis jetzt nur Gesellschaft von Artgenossen bekommen.

Auch wenn ich persönlich dieses Durchhaltevermögen nie an den Tag legen würde, macht es natürlich Sinn, dass diese zielstrebigen Kreaturen immer und immer wieder versuchen, eine Familie zu gründen, schließlich wollen auch Elstern etwas essen, aber aus der Sicht der Turteltauben ist das Ganze doch eher frustrierend. Finde ich jedenfalls, aber sie machen immer weiter.

ei

Nun ja, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt …

Mittwoch, 27. Mai 2009

Flugstunde ...

Nachdem der gestrige Tag trotz des Laufens etwas deprimierend angefangen hat, konnte ich mein Karmapunktekonto am Abend, dem Himmel sein Dank, ein wenig ausgleichen. Allerdings musste ich dabei feststellen, dass ich doch sehr wenig über die heimische Tierwelt weiß und dementsprechend unwissend und panisch auf das Etwas auf meinem Fensterbrett in der Küche reagiert habe.

Lumix 570

Völlig regungslos, aber mit angstvoll aufgerissenen Augen starrte das kleine Ding mich an. Hat das einzig richtige getan, damit meine beiden Kater ihn endlich in Ruhe lassen: sich tot stellen, uninteressant werden. Zum Glück habe ich die beiden gut gefüttert, halbe Tiere kann ich nämlich ganz schlecht in meiner Wohnung ertragen, außer sie sind in meinen Töpfen.

Nach all dem zu urteilen, was nicht mehr an seinem angestammten Platz war, hatten die beiden diese Mischung aus großer Schwalbe und jungem Greifvogel ganz schön durch die Wohnung gejagt. Wenn ich gewusst hätte, dass dies ein Mauersegler war, hätte ich mir auch erklären können, warum der doch ziemlich große Vogel durch den schmalen Schlitz eines gekippten Fensters herein gekommen war. Ist ja auch schrecklich, da ist man auf Nestsuche und steht plötzlich gleich zweien seiner Totfeinde gegenüber, die überaus erfreut auf diese Abwechslung reagieren.

angst


Nach dem Wegsperren der Feinde, dem Öffnen des Fensters, dem Ignorieren des bereit gestellten Wassers und beängstigendem Hyperventilieren







und 3 Hilfe suchenden Telefonaten, wurde dann doch alles gut. Was für ein Crashkurs in Sachen Natur… nichts für meine Nerven.


Mittwoch, 30. Januar 2008

Natürliche Hinterlist ...

Ich töte nicht gerne, liegt mir irgendwie nicht, selbst beim Kochen muss ich manchmal so tun, als ob ich nicht dabei wäre, wenn ich das lebendige Schalentier in den siedenden Sud werfe und der Kampf mit den Muscheln um ihren Bart raubt mir jedes Mal meinen ganzen Vorrat an Gleichmut. Aber es gibt Kreaturen, die ich trotz schlechter Karmapunkte mit eigenen Händen töte, das heißt, wenn ich sie erwische.

Obwohl ich immer wieder feststellen muss, dass die Natur (oder wer auch immer dafür zuständig ist) fast ohne Zeitverzögerung zurückschlägt, sobald man ihr zu nahe tritt, kommt in mir der Jagdinstinkt gepaart mit purer Mordlust hoch, sobald ich eine Mücke oder eine Motte in meinen vier Wänden entdecke. Denn wenn meine eigene (erste oder zweite) Haut angegriffen wird, kenne ich keine Pardon.

Das wird die Natur wohl genauso sehen, deshalb hat sie gestern Abend, als ich dieser hinterlistigen Motte an den Kragen wollte (bevor sie meinen fressen konnte), einen meiner nichts ahnenden Kater missbraucht, um mich aufzuhalten.

Wie hat sie den armen, kleinen, haarigen Kerl nur dazu gebracht, mir eine überdimensionale Reiszwecke, mit der ich normalerweise schwere Dinge an die Wand nagele, in den Weg zu legen? Respekt, das nenne ich Timing …

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