Nachtgedanken
Es gibt eine Stelle in meiner Wohnung, die mir Rätsel aufgibt. Sie strahlt etwas Unheimliches ab. Eine eigenartige, nicht greifbare Kälte. Obwohl sie sich direkt neben dem Heizkörper befindet, unter einem Dachbalken. Aus rein physikalischer Sicht müsste es dort wärmer sein, als an allen anderen Stellen in diesem Zimmer. Ist es aber nicht.
Meine beiden Kater meiden diesen Ort und nehmen lieber einen Umweg zu ihrem Lieblingsplatz auf dem Fensterbrett. Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich plötzlich diese traurige Kühle spüre. Manchmal ist sie kälter als sonst, ich habe allerdings noch keine Verkettung mit anderen zeitlichen Phänomen, wie etwa dem Mondzyklus, feststellen können.
Es scheint etwas Emotionales dahinter zu stecken. Etwas Ruheloses. Vielleicht aus der fernen Vergangenheit, als meine Wohnung noch kein ausgebautes Apartment, sondern noch ein Dachstuhl war, auf dem man altes Zeug abstellen und man um die Balken noch ein Seil binden konnte …
Desideria - 2008-04-16 14:34
Geklauter Titel, aber das ist ungefähr das Gefühl, das in mir hochsteigt, wenn ich am frühen Morgen in den stockdunklen Park abbiege. Aber nur kurz, denn wenn ich es recht überdenke, ist die Chance, dass jemand um 7.00 Uhr morgens, bei Schneeregen hinter einem Baum hervorspringt, um einen rennenden Menschen anzufallen, von dem er bei diesen Lichtverhältnissen noch nicht einmal sagen kann, ob dieser männlich oder weiblich ist, doch eher gering. Außerdem tragen Jogger im Allgemeinen keine größeren Geldbeträge mit sich rum und der Wunsch, gewisse Körperteile freilegen zu wollen, hält sich bei diesen Minustemperaturen auch in überschaubare Grenzen. Also? Wovor sollte ich Angst haben? Außer vielleicht, dass ich über einen Hasen stolpern könnte …
Desideria - 2007-11-29 11:57
"Es gehört zu den trivialen Tatsachen des Lebens, daß die meisten Leute, die man ins Korsett der Condition humaine gezwängt hat, etwas anderes sein wollen. Oder jemand anderes. Der Proktologe, der sich vor und nach jedem Patienten sorgfältig die Hände wäscht, wäre gern Dr. Albert Schweitzer. Der Rockstar, der sich fragt, ob er dem Hotelpagen guten Gewissens den Porscheschlüssel anvertrauen kann, würde gern den Regenwald retten. Jeder Bankkassierer würde gern eine Million Dollar unterschlagen und sich nach Costa Rica absetzen. Jeder durchschnittliche Costaricaner würde sich gern nach Akron, Ohio, absetzen und Bankkassierer werden. Die vielen Menschen, die ein anonymes Leben führen, sehnen sich nach Ruhm. Die wenigen Menschen, die dem Ruhm in die Falle gegangen sind, sehnen sich unweigerlich nach Anonymität. Und der Rest von uns hat es Tag für Tag mit so vielen Arschlöchern zu tun, dass wir lieber Proktologe geworden wären, denn die werden wenigstens dafür bezahlt."
Und ich wäre manchmal gern Kinky Friedman ...
Desideria - 2007-11-06 03:49
100 Jahre Rücksitzgeschichten in yellow cabs.
Glückwunsch!
Auf noch viele Night-on-Earth-Szenen ...
... und Danke! für's Halten, obwohl ich nicht pfeifen kann.
Desideria - 2007-10-02 06:28
Mitten in der Nacht vom Lachen der Nachbarn, die im Hinterhof immer noch zusammensitzen, aufwachen, in der Küche, auf der Suche nach einem Glas Wasser das perfekte Geschenk entdecken, um dann mit einem Segelflieger über die Alpen lustzuwandeln…
Desideria - 2007-08-25 03:21
- Du hast Besuch aus Wien und schreibst über Küchengeräte???
- Ähm, ja …
Desideria - 2007-07-16 11:44
Unruhig im Bett hin- und hergewälzt, dann mich doch endlich dem Mond ergeben. Sein Licht ist unwiderstehlich, lässt mich aber daran verzweifeln, was alles noch zu tun wäre, um endlich Ordnung in mein Leben bringen zu können. Ich sollte die Dinge einfach geschehen lassen, anstatt meine überhöhten Erwartungen erfüllen zu wollen. Setze mich selber so unter Druck, dass einem Scheitern wirklich nichts mehr im Wege steht. Als ob ich es nicht besser wüsste, wiederhole ich trotzig meine eigenen Fehler. Das sieht auch im Mondlicht nicht besser aus.
Schluss jetzt. Genug geheult. Ich versuche mich noch einmal mit den Kissen in meinem Bett anzufreunden, vielleicht lerne ich ja doch mal dazu …
Desideria - 2007-04-03 03:20
Diese kleinen Mitmach-Psychospielchen und Erkenne-dich-selbst-Tests, an denen ich nicht vorbei kann, haben mich an eine Frage erinnert, die mir mal in einer entscheidenden Situation gestellt wurde und die ich nicht spontan beantworten konnte:
„Mit wem würdest du am liebsten eine Zelle teilen, wenn du lange Zeit im Gefängnis verbringen müßtest.“
Schwierig, wirklich schwierig. Abgesehen davon, dass ich niemanden um mich herum auf so engem Raum länger als 23 Minuten ertragen könnte und womöglich sehr schnell zu Recht weggesperrt werden sollte. Einzelhaft. Konsequenterweise wollte ich wissen, ob derjenige schon zu den Toten gehören oder doch noch atmen sollte.
Jetzt aber mal im Ernst:
Ovid?
James Dean?
Sir Peter Alexander Ustinov?
Queen Latifah?
Mit wem würdet ihr die Zelle am liebsten teilen?
Desideria - 2007-03-03 04:42
Schwierig, wenn man eher autistisch veranlagt ist, die Menschheit für eine ungeschickte Mutation der Evolution hält und der Übernahme der „Weltherrschaft“ durch die wesentlich umweltfreundlicheren Insekten mit Genugtuung entgegensieht, wie ich zum Beispiel.
Da ich aber selbst dieser aufrecht gehenden Spezies angehöre, verhalte ich mich auch dementsprechend inkonsequent und unlogisch. Sonst wäre ich ja strikter Veganer (ha, mein Rechtschreibeprogramm kennt das Wort noch nicht mal) und würde mit bloßen Händen Brunnen in Afrika graben oder zumindest Geld sammeln, damit es andere tun. Aus rein egoistischen Gründen ignoriere ich diese ethisch wertvollen Gedanken schon lange Zeit.
Trotz allem habe ich Freunde, die Ethik und Moral durchaus für erstrebenswerte Werte halten, mir aber nachsehen, dass ich Blumen nur zu meiner eigenen Freude ermorde und sie anschließend in meiner Wohnung zur Schau stelle und mich sogar weigere, meine Art durch Reproduktion zu erhalten, um ihre Rente zu sichern. Auch dass ich Tiere verspeise, manche sogar roh, wird mir von ihnen verziehen, nur ich halte es moralisch für bedenklich, dass ich diese Lebewesen nur selten selbst erlege. Es fällt mir schon überaus schwer, Muscheln in den kochenden Sud zu werfen. Feigheit ist auch ein guter Freund von mir, leider.
Aber eigentlich wollte ich ja was ganz anderes erzählen, nämlich das, was mich auf solche Gedanken gebracht hat: Als ich gestern wieder einen Arm voll toter Blumen bei meinem Lieblingsblumenhändler kaufte, er sie wie immer wortlos einpackte - wir brauchen nicht viele Worte, wir kennen uns schon lange – und das Radio in der Ecke vor sich hinbrabbelte, konnten wir wegen unserer stillen Übereinkunft die Nachricht hören, dass gestern zwei kleine Kinder verdurstet sind, weil ihre Mutter sie 4 Tage alleine in der Wohnung gelassen hat. Der Blumenhändler sah mich an, unterbrach unser Schweigen und fragte mich: “Wie geht das nur?“ „Ich weiß es wirklich nicht.“ Ich möchte es auch nicht wissen …wirklich nicht.
Desideria - 2006-12-16 12:50
"Und meine Reisen in China haben wahrhaftig wenig Bedeutung, verglichen mit den tastenden Schritten im Dunkeln vom Bett zur Küche, auf der Suche nach einem Glas Wasser."
(Ennio Flaiano)
Desideria - 2006-10-04 00:18