Say you'll write your story -
Pictures, dreams and letters
Get your past existence
Off your mind
Life is such a miracle
Every day brings changes
Into your life ...
(schön, wieder zur Wolfsstunde die Gedanken verschwenden zu können...
und die beleuchtete Tastatur gibt dem Ganzen noch etwas Magisches)
Was tut man nicht alles, um nicht gefressen zu werden? Um zu überleben, wechselt man die Farbe und sogar den Standpunkt. Hilfreich dabei ist ein flexibles Rückgrat oder am besten das völlige Fehlen desselbigen und schon kann man durch das kleinste Schlupfloch verschwinden, wenn es hart auf hart kommt. So ähnlich wie Bielefeld … immer vom Gerücht umweht, gar nicht existent zu sein. So lässt es sich lange leben, nur Spaß macht es keinen … und was soll dann das Ganze? Für bloße Arterhaltung bin ich viel zu egoistisch … nach mir die Sintflut ~~~ schön farbenfroh schillernd.
An Bord der Nadir überkam mich – vor allem nachts, wenn der beruhigende Spaß- und Lärmpegel seinen Tiefpunkt erreichte – regelrecht Verzweiflung. Zugegeben, das Wort Verzweiflung klingt mittlerweile ziemlich abgegriffen, doch es ist ein ernstes Wort, und ich verwende es im Ernst. Für mich bedeutet Verzweiflung zum einen Todessehnsucht, aber verbunden mit dem vernichtenden Gefühl der eigenen Bedeutungslosigkeit, hinter der sich wiederum die Angst vor dem Sterben verbirgt. Elend ist vielleicht der bessere Ausdruck. Man möchte sterben, um der Wahrheit nicht ins Auge blicken zu müssen, der Wahrheit nämlich, dass man nichts weiter ist als klein, schwach und egoistisch – und dass man mit absoluter Sicherheit irgendwann sterben wird. In solchen Stunden möchte man am liebsten über Bord springen.
Es wird gerade hell draußen. In dramatischen Farben. Normalerweise werde ich von der plötzlichen Helligkeit, die dann auf mein Kopfkissen fällt, wach. Im Sommer jedenfalls. Sonst ist es das Gezwitscher der Vögel, die meist eine Stunde vor dem In-Flammen-Stehen des Himmels alle Neuigkeiten lautstark verbreiten, was mich aus dem Schlaf reißt. Heute sind es Bässe mit Gesang, die der Wind vielleicht vom Wasser oder von irgendeiner lang anhaltenden Party in der Nähe, herträgt.
Erst verwundert über die frühmorgendliche Geräuschkulisse überwiegt aber jetzt die Erkenntnis, dass ich vor nicht allzu langer Zeit, in so einer Situation nicht vor einem Labtop saß und sinnierend der fernen Musik lauschte, sondern mindestens tanzend am Ort des Geschehens war, wenn nicht sogar der Verursacher der morgendlichen Ruhestörung. Die Zeiten ändern sich. Früher wäre ich noch wach, heute bin ich es schon wieder. Senile Bettflucht ...
Es gibt eine Stelle in meiner Wohnung, die mir Rätsel aufgibt. Sie strahlt etwas Unheimliches ab. Eine eigenartige, nicht greifbare Kälte. Obwohl sie sich direkt neben dem Heizkörper befindet, unter einem Dachbalken. Aus rein physikalischer Sicht müsste es dort wärmer sein, als an allen anderen Stellen in diesem Zimmer. Ist es aber nicht.
Meine beiden Kater meiden diesen Ort und nehmen lieber einen Umweg zu ihrem Lieblingsplatz auf dem Fensterbrett. Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich plötzlich diese traurige Kühle spüre. Manchmal ist sie kälter als sonst, ich habe allerdings noch keine Verkettung mit anderen zeitlichen Phänomen, wie etwa dem Mondzyklus, feststellen können.
Es scheint etwas Emotionales dahinter zu stecken. Etwas Ruheloses. Vielleicht aus der fernen Vergangenheit, als meine Wohnung noch kein ausgebautes Apartment, sondern noch ein Dachstuhl war, auf dem man altes Zeug abstellen und man um die Balken noch ein Seil binden konnte …
Geklauter Titel, aber das ist ungefähr das Gefühl, das in mir hochsteigt, wenn ich am frühen Morgen in den stockdunklen Park abbiege. Aber nur kurz, denn wenn ich es recht überdenke, ist die Chance, dass jemand um 7.00 Uhr morgens, bei Schneeregen hinter einem Baum hervorspringt, um einen rennenden Menschen anzufallen, von dem er bei diesen Lichtverhältnissen noch nicht einmal sagen kann, ob dieser männlich oder weiblich ist, doch eher gering. Außerdem tragen Jogger im Allgemeinen keine größeren Geldbeträge mit sich rum und der Wunsch, gewisse Körperteile freilegen zu wollen, hält sich bei diesen Minustemperaturen auch in überschaubare Grenzen. Also? Wovor sollte ich Angst haben? Außer vielleicht, dass ich über einen Hasen stolpern könnte …
"Es gehört zu den trivialen Tatsachen des Lebens, daß die meisten Leute, die man ins Korsett der Condition humaine gezwängt hat, etwas anderes sein wollen. Oder jemand anderes. Der Proktologe, der sich vor und nach jedem Patienten sorgfältig die Hände wäscht, wäre gern Dr. Albert Schweitzer. Der Rockstar, der sich fragt, ob er dem Hotelpagen guten Gewissens den Porscheschlüssel anvertrauen kann, würde gern den Regenwald retten. Jeder Bankkassierer würde gern eine Million Dollar unterschlagen und sich nach Costa Rica absetzen. Jeder durchschnittliche Costaricaner würde sich gern nach Akron, Ohio, absetzen und Bankkassierer werden. Die vielen Menschen, die ein anonymes Leben führen, sehnen sich nach Ruhm. Die wenigen Menschen, die dem Ruhm in die Falle gegangen sind, sehnen sich unweigerlich nach Anonymität. Und der Rest von uns hat es Tag für Tag mit so vielen Arschlöchern zu tun, dass wir lieber Proktologe geworden wären, denn die werden wenigstens dafür bezahlt."