Snooker ...
Wenn ich einen Snooker Cup live im Fernsehen verfolge, ist das kein gutes Zeichen. Wirklich nicht.
Meistens bin ich beim Durchzappen der traurigen Fernsehlandschaft dort hängen geblieben, kurz nachdem ich mich gefragt habe, ob wirklich noch andere Menschen außer Pädophile zur Zielgruppe dieses Puppen-Verkaufsformates mit der Barbie-Blonden, die den armen Dingern ständig verkaufsfördernd unter den Rock fasst und ihnen dabei Kosenamen aus der Kleintierwelt gibt, gehören. Diese Sendung verstört mich fast so wie diese eigenartige Verkaufsshow, in der sich übergewichtige Frauen freiwillig inchampagnerfarbenen hautfarbenen Stretch-Quetsch-Schläuchen vor eine Kamera stellen. Soo gut kann das gar nicht bezahlt werden. Da muss eine andere, sich mir nicht erschließen wollende, Motivation dahinter stecken. Ich tippe auf eine Abart des sonst verbreiteten Exhibitionismus.
Wenn ich dann auf der Flucht beim Sport gelandet bin und auch noch ein Snooker Cup live übertragen wird, scheint die Welt wieder gerade gerückt worden zu sein. Der Snookertisch wird meist aus der Vogelperspektive gezeigt, so dass dieses Grün der Tischbespannung (neuerdings aus einem noch „widerstandsloserem“ Material, damit die Kugeln nahezu schwerelos über das Tuch gleiten können) beinahe den ganzen Bildschirm ausfüllt und eine ungemein beruhigende Wirkung auf mein immer noch verstörtes Ego hat.
Der Kommentator spricht nicht, er flüstert, auch um den Spieler nicht in seiner Konzentration zu stören. Die Zuschauer halten den Atem an und applaudieren nur am Ende eines Spiels. Fast wie in der Oper. Derjenige, der die versenkten Kugel aus dem Netz holt und wieder auf den Tisch legt, trägt Handschuhe, um die empfindliche Oberfläche nicht durch etwaige Schwitzefinger in ihrem natürlichem Drive zu beeinträchtigen. Alles ist leise und gedämpft. Niemand schreit mich an, ich solle dies oder jenes kaufen, da ich es ganz dringend bräuchte. Nur dieses sanfte Aneinanderklacken der Kugeln ist zu hören und ich werde von einer Sekunde zur anderen in meine Vergangenheit katapultiert. Man sollte dann sicherheitshalber mein Blickfeld nicht kreuzen oder dumme Fragen stellen, wie zum Beispiel, was ich denn da um alles in der Welt eigentlich mache. Böser Fehler. Ganz böser Fehler.

Zum besseren Verständnis: Ich hasse Snooker. Von ganzem Herzen. (John Higgens führt 3:1 ...). Das habe ich W. zu verdanken, der in mein Leben und an meine Theke, die ich zu dieser Zeit als Bühne, Schutzwall und Geldmaschine nutzte (Studiengebühr hin oder her – wo nichts ist und auch nicht gewährt wird, ist Eigeninitiative gefragt) mit einem unverschämten Lächeln und den etwas überstrapazierten Worten: "I love you." trat.
Ja, ja, Modemesse! Männliche Models (die weiblichen lasse ich jetzt mal weg) aus aller Welt und zwar auf der Jagd. Nichts Neues. Und nächste Woche wieder am anderen Ende der Welt mit dem gleichen Text. Kein Problem.
Aber der Mensch ist nur bedingt auf der Hut, wenn seine Sinne gestreichelt werden (Peter Høeg). Und wie auch Darwin feststellte: Das Verlangen nach Bestätigung und Lob ist im Instinkt verwurzelt. Und er wiederholte seine kühne Behauptung. Mehrfach. 3 Abende lang. Ich war einigermaßen beeindruckt (außerdem drohte das Ende der Modemesse, und damit auch das Verschwinden sämtlicher männlicher Schönheiten in die unerreichbaren Fernen der großen, weiten Welt). Also - carpe noctem – gab ich seinem Flehen nach und verabredete mich mit ihm auf einen Drink nach meinem Job.
Dann ging alles ziemlich schnell. Wir tauschten schon nach zwei Tagen unsere Partner aus:
- er die „Kameliendame“ aus der Fotogeschichte in Spanien gegen die blonde Barschlampe aus Good Old Germany
- ich das Karrierewunder aus dem Werbewelt gegen den durchgeknallten Cowboy aus Canada
Die nächsten 3 Jahre waren sehr – ähem - "emotionsgeladen".
Oft habe ich mir gewünscht, unser gemeinsames Leben wäre ein Snookerspiel: er die weiße Kugel, ich die schwarze und die farbigen seien unsere Probleme – mit verschiedenhohem Zerstörungspotential hohen Punktzahlen. Er, der rettende Ritter, der die Probleme ins Dunkle verbannt, ich, die Prinzessin mit der höchsten Punktzahl, die immer wieder ins Spiel kommt, auch wenn sie doch mal ins Abseits gerät.
Doch das Leben ist kein (Snooker-)Spiel. Auch wenn mein Ritter mehr Zeit an diesem grünen Tisch als in unserer gemeinsamen Burg verbrachte. Irgendwann wurde auch mir klar, dass zum Schluss nur die weiße Kugel übrig bleibt und zwar nachdem sie die schwarze vom Spielfeld verbannt hat.
Seitdem kann ich Snooker nicht mehr leiden.
Snookerspieler übrigens auch nicht mehr …
P.S.: Stephen Hendry hat mit 9:7 gegen Graeme Dott den Malta Cup gewonnen.
Meistens bin ich beim Durchzappen der traurigen Fernsehlandschaft dort hängen geblieben, kurz nachdem ich mich gefragt habe, ob wirklich noch andere Menschen außer Pädophile zur Zielgruppe dieses Puppen-Verkaufsformates mit der Barbie-Blonden, die den armen Dingern ständig verkaufsfördernd unter den Rock fasst und ihnen dabei Kosenamen aus der Kleintierwelt gibt, gehören. Diese Sendung verstört mich fast so wie diese eigenartige Verkaufsshow, in der sich übergewichtige Frauen freiwillig in
Wenn ich dann auf der Flucht beim Sport gelandet bin und auch noch ein Snooker Cup live übertragen wird, scheint die Welt wieder gerade gerückt worden zu sein. Der Snookertisch wird meist aus der Vogelperspektive gezeigt, so dass dieses Grün der Tischbespannung (neuerdings aus einem noch „widerstandsloserem“ Material, damit die Kugeln nahezu schwerelos über das Tuch gleiten können) beinahe den ganzen Bildschirm ausfüllt und eine ungemein beruhigende Wirkung auf mein immer noch verstörtes Ego hat.
Der Kommentator spricht nicht, er flüstert, auch um den Spieler nicht in seiner Konzentration zu stören. Die Zuschauer halten den Atem an und applaudieren nur am Ende eines Spiels. Fast wie in der Oper. Derjenige, der die versenkten Kugel aus dem Netz holt und wieder auf den Tisch legt, trägt Handschuhe, um die empfindliche Oberfläche nicht durch etwaige Schwitzefinger in ihrem natürlichem Drive zu beeinträchtigen. Alles ist leise und gedämpft. Niemand schreit mich an, ich solle dies oder jenes kaufen, da ich es ganz dringend bräuchte. Nur dieses sanfte Aneinanderklacken der Kugeln ist zu hören und ich werde von einer Sekunde zur anderen in meine Vergangenheit katapultiert. Man sollte dann sicherheitshalber mein Blickfeld nicht kreuzen oder dumme Fragen stellen, wie zum Beispiel, was ich denn da um alles in der Welt eigentlich mache. Böser Fehler. Ganz böser Fehler.

Zum besseren Verständnis: Ich hasse Snooker. Von ganzem Herzen. (John Higgens führt 3:1 ...). Das habe ich W. zu verdanken, der in mein Leben und an meine Theke, die ich zu dieser Zeit als Bühne, Schutzwall und Geldmaschine nutzte (Studiengebühr hin oder her – wo nichts ist und auch nicht gewährt wird, ist Eigeninitiative gefragt) mit einem unverschämten Lächeln und den etwas überstrapazierten Worten: "I love you." trat.
Ja, ja, Modemesse! Männliche Models (die weiblichen lasse ich jetzt mal weg) aus aller Welt und zwar auf der Jagd. Nichts Neues. Und nächste Woche wieder am anderen Ende der Welt mit dem gleichen Text. Kein Problem.
Aber der Mensch ist nur bedingt auf der Hut, wenn seine Sinne gestreichelt werden (Peter Høeg). Und wie auch Darwin feststellte: Das Verlangen nach Bestätigung und Lob ist im Instinkt verwurzelt. Und er wiederholte seine kühne Behauptung. Mehrfach. 3 Abende lang. Ich war einigermaßen beeindruckt (außerdem drohte das Ende der Modemesse, und damit auch das Verschwinden sämtlicher männlicher Schönheiten in die unerreichbaren Fernen der großen, weiten Welt). Also - carpe noctem – gab ich seinem Flehen nach und verabredete mich mit ihm auf einen Drink nach meinem Job.
Dann ging alles ziemlich schnell. Wir tauschten schon nach zwei Tagen unsere Partner aus:
- er die „Kameliendame“ aus der Fotogeschichte in Spanien gegen die blonde Barschlampe aus Good Old Germany
- ich das Karrierewunder aus dem Werbewelt gegen den durchgeknallten Cowboy aus Canada
Die nächsten 3 Jahre waren sehr – ähem - "emotionsgeladen".
Oft habe ich mir gewünscht, unser gemeinsames Leben wäre ein Snookerspiel: er die weiße Kugel, ich die schwarze und die farbigen seien unsere Probleme – mit verschieden
Doch das Leben ist kein (Snooker-)Spiel. Auch wenn mein Ritter mehr Zeit an diesem grünen Tisch als in unserer gemeinsamen Burg verbrachte. Irgendwann wurde auch mir klar, dass zum Schluss nur die weiße Kugel übrig bleibt und zwar nachdem sie die schwarze vom Spielfeld verbannt hat.
Seitdem kann ich Snooker nicht mehr leiden.
Snookerspieler übrigens auch nicht mehr …
P.S.: Stephen Hendry hat mit 9:7 gegen Graeme Dott den Malta Cup gewonnen.
Desideria - 2005-02-09 13:48
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