Platzhalter-Nachtrag Teil 1:
Vor einiger Zeit (mein Gott, das ist schon 2 Wochen her) hatte ich das Vergnügen, bei einer Hochzeit zugegen sein zu dürfen, auf der ich ausnahmsweise mal nicht in Tränen ausgebrochen bin. Ich bin eine Hochzeitsheulerin, ich gebe es zu. Das mag auch daran liegen, dass ich mit Hochzeiten immer mehr oder minder traumatische Erlebnisse verbinde, aber das sind andere Geschichten. Bei dem „richtigen“ Hormonspiegel heule ich auch schon bei Werbefilmen. Diese, wie ich finde, durchaus sympathische, aber äußerst unpraktische, Angewohnheit hat mir schon manchen missbilligenden Blick eingebracht. Diesmal habe ich meinen Begleiter vorher gewarnt und er gab mir zu verstehen, dass er damit überhaupt keine Probleme hat, schließlich hätte er nicht umsonst so breite Schultern.
Mir waren Hochzeiten schon immer suspekt. Ich habe mich erfolgreich mehrere Male davor gedrückt, selbst die Braut zu sein, wenn auch aus nicht immer für alle nachvollziehbaren Gründen. Komischerweise werde ich trotzdem immer wieder auf solche Festivitäten eingeladen, sogar als Trauzeuge verhaftet, wohl um mir letztendlich zu beweisen, dass es doch gut gehen kann.
Diese Hochzeit war wohl seit langem geplant und so gut organisiert, dass diejenigen, die durch das ganze Land reisen mussten, um die kirchliche Trauung miterleben zu können, auf die Sekunde genau durch das Stadttor des mittelalterlichen Dorfes (`tschuldigung: dieser schönen, großen Kreisstadt) fuhren, als das Brautpaar frisch (standesamtlich) getraut und mit Champagnergläsern in der Hand aus dem Rathaus trat, sodass sie den Weitgereisten das kühle erfrischende Nass als Willkommensgruß direkt ins Gefährt reichen konnten.

Hut ab! Das nenne ich Timing. So kam es, dass ich mich sofort willkommen fühlte, obwohl ich außer meinem Begleiter, der mich in diesen fernen Landesteil geschleppt hatte, wirklich niemanden kannte.
Auch die Kulisse, die in jahrhunderterlanger Feinarbeit aufgebaut wurde und der dazugehörige strahlende Sonnenschein waren an Traumhaftigkeit kaum zu übertreffen.

Ich war in ein Märchenland entführt worden. Ach, wie romantisch! Sofort verzieh ich meinem
Entführer, dass er mich all den rauschenden Festen, die ich zu Hause gerade versäumte (sogar die Jungs von
Boss Hoss mussten auf meine Anwesenheit verzichten, aber das wird nachgeholt) mutwillig entzogen hatte, um ihm dekorativ bei diesem Fest zur Seite stehen zu können.
Ich glaube allerdings, er hat mich als physische und psychische Stütze mitgenommen, um die schwierige Aufgabe bewältigen zu können, eine Brücke über den zerklüfteten Musikgeschmack der Generationen zu schlagen, ohne größeren Schaden an Leib und Seele zu nehmen. Aber davon später … das nächste Fest ruft!