Nun darüber denke ich seit einer Woche verstärkt nach, nachdem jemand meine Wohnungstür mit einem Brecheisen geöffnet und alles mitgenommen hat, was wohl wertvoll erschien. Anscheinend hatte man sich schon vorher Gedanken gemacht, was wichtig ist im Leben und gezielt nach Dingen gesucht, die einen mit der Welt da draußen verbinden, die Gemütslage durch Beschallung verstärken oder sich irgendwie in Gold verwandeln lassen, wenn sie nicht schon sowieso aus diesem Material waren. Tja, alles weg. Schon komisch woran das Herz so hängt, was man so für selbstverständlich hält und wovon man sich, auch emotional, abhängig macht.
Aber meine zwei Monster sind noch da und die sind für mich das Wertvollste in meiner Wohnung ...
Wenn die Zeit so träge ist, dass sie Kaugummi-Fäden zu ziehen scheint, die einem klebrig zurückhalten, obwohl man mit aller Macht versucht, dagegen anzugehen, dann ist schon alles zu spät. Stillstand, der sich anfühlt, als ob man im Inneren einer Sanduhr, langsam im Pulver versinken würde. Unerträglich l a n g s a m . . .
Nachdem der gestrige Tag trotz des Laufens etwas deprimierend angefangen hat, konnte ich mein Karmapunktekonto am Abend, dem Himmel sein Dank, ein wenig ausgleichen. Allerdings musste ich dabei feststellen, dass ich doch sehr wenig über die heimische Tierwelt weiß und dementsprechend unwissend und panisch auf das Etwas auf meinem Fensterbrett in der Küche reagiert habe.
Völlig regungslos, aber mit angstvoll aufgerissenen Augen starrte das kleine Ding mich an. Hat das einzig richtige getan, damit meine beiden Kater ihn endlich in Ruhe lassen: sich tot stellen, uninteressant werden. Zum Glück habe ich die beiden gut gefüttert, halbe Tiere kann ich nämlich ganz schlecht in meiner Wohnung ertragen, außer sie sind in meinen Töpfen.
Nach all dem zu urteilen, was nicht mehr an seinem angestammten Platz war, hatten die beiden diese Mischung aus großer Schwalbe und jungem Greifvogel ganz schön durch die Wohnung gejagt. Wenn ich gewusst hätte, dass dies ein Mauersegler war, hätte ich mir auch erklären können, warum der doch ziemlich große Vogel durch den schmalen Schlitz eines gekippten Fensters herein gekommen war. Ist ja auch schrecklich, da ist man auf Nestsuche und steht plötzlich gleich zweien seiner Totfeinde gegenüber, die überaus erfreut auf diese Abwechslung reagieren.
Nach dem Wegsperren der Feinde, dem Öffnen des Fensters, dem Ignorieren des bereit gestellten Wassers und beängstigendem Hyperventilieren
und 3 Hilfe suchenden Telefonaten, wurde dann doch alles gut. Was für ein Crashkurs in Sachen Natur… nichts für meine Nerven.